• Banner_Broegbern_Ortsschild1
  • Banner_Broegbern_Heimathof
  • Banner_Broegbern_Ochsenbruch
  • Banner_Broegbern_Windpark
  • Banner_Broegbern_Teiche
  • Banner_Broegbern_Kirche_Friedhof2

“Trauer” – Schließung Gebrüder Grimm Schule

2. Januar 2013

Dr. Bernhard Bendik der Vorsitzende der SPD Fraktion im Rad der Stadt Lingen

Wir bedanken uns bei allen Schülern, Eltern, Elternvertretern und

sonstige Unterstützer bei dem Versuch die Schließung der Gebrüder Grimm Schule zu verhindern.

Leider wurde in der Ratssitzung von der CDU Mehrheit und den Grünen beschlossen die Gebrüder Grimm Schule zu schließen. Unserer Meinung nach gab es für diese Entscheidung nicht genug Gründe, wie die von der Verwaltung, der CDU und dem OB Krone vorgetragenen Argumente um die Schule zu schließen.

Die Gebrüder Grimm Schule hat in den letzten Jahren sehr gute Arbeit geleistet,und hätte eine echte Chance verdient, so Heiner Krämer Fraktionsvorsitzender SPD Brögbern.

Lesen Sie hierzu auch die Rede von Dr. Berhard Bendick SPD Lingen in der
Ratssitzung.

Schließung der Gebrüder-Grimm-Schule kostet der Stadt Lingen in den nächsten 63 Jahren 200.000 Euro pro Jahr

Rede des Vorsitzenden der SPD-Fraktion am 20. Dezember 2012 im Rat der Stadt Lingen zum Tagesordnungspunkt „Schließen der Gebrüder-Grimm-Schule“ Die SPD-Fraktion hat die herausragende pädagogische und soziale Leistung dieser Schule gewürdigt und sich gegen die Schließung ausgesprochen. Rede:

Am 12. November dieses Jahres hörten wir hier zu Beginn der Schulausschusssitzung den Satz: „Herzlich willkommen im Sitzungssaal ihres Rathauses!“ Diesen Satz hätten wir gern anders gehört und auch an die Schülerinnen und Schüler gerichtet: „Herzlich willkommen in der Gebrüder-Grimm Schule!“ Statt am Ort des Geschehens, der Gebrüder-Grimm-Schule, wird hier – im Rathaus – über diese Schule zu Gericht gesessen.

Also den Mut, in diese Schule zu gehen, wie wir es von der SPD gewünscht hatten, und an Ort und Stelle die Gründe für eine mögliche Schließung dieser Schule zu nennen, den Schülern und Lehrern Rede und Antwort zu geben, diesen Mut brachte weder die Mehrheit des Rates noch die des Schulausschusses auf. Dabei ist es doch bei uns gängige Praxis, dass die Ratsausschüsse sehr oft an anderen Orten des Geschehens – statt im Rathaus – tagen. Warum also nicht in der Gebrüder-Grimm-Schule? Was hat man befürchtet?

Ich möchte einmal ganz kurz auf die Historie der Lingener Schulgeschichte eingehen: In den 80-ziger Jahren des letzten Jahrhunderts hat der Rat vor seiner endgültigen Entscheidung über ein Konzept für den Sekundarbereich ein Gutachten in Auftrag gegeben, das die städtische Schulsituation sehr genau analysierte. Das erschien damals dem Rat notwendig, bevor er eine Entscheidung zum Bau der beiden Schulzentren traf, die dann in die städtische Trägerschaft übernommen werden sollten.

Diese Vorgehensweise fand in der jetzigen Situation um die Gebrüder-Grimm-Schule nicht statt. Warum? Da wird eine Entscheidung im kleinen Kreis getroffen, dann werden in einem Interview ohne Vorankündigung Fakten geschafften und mit dem dann angeblich konkurrenzlosen breiten Schulangebot in Lingen schön geredet. Die klingenden Worte sind Gesamtschule, Oberschule und klassische Schule bestehend aus Real- und Hauptschule. Breites Schulangebot? Aber es fällt auf: Die Gesamtschule hat eine Warteliste für die Aufnahme von Schülern, die Oberschule Marienschule hat auch eine Warteliste. Nur die städtischen Schulzentren, die haben keine Warteliste und freuen sich über den – „Rest“?

Noch einmal kurz zur Historie: Am 21. März 1993 saßen hier drei Eltern in einer Ratssitzung: Frau Jost, Herr Segelke und Frau Möllerhaus, sie haben damals die Fertigstellung der städtischen Schulzentren gefordert. Dazu hatten sie 3000 Unterschriften gesammelt. Ein bemerkenswerter Satz wurde zu jener Zeit von diesen Eltern ausgesprochen: „Die Gründe, die damals (also vor 1993) für eine Realisierung der Schulzentren von Ihnen, der Mehrheitsfraktion, genannt wurden, sind auf einmal nicht mehr wahr. Die Eltern erwarten, dass die Beschlüsse zur Umgestaltung der Schullandschaft in Lingen zum Wohle unserer Kinder schnellstens umgesetzt werden.“

Seit dieser Zeit gibt es keine Ruhe an der Gebrüder-Grimm-Schule, wenn man nur an die Bauaktivitäten denkt. Die Turnhalle wurde erst zehn Jahre später – nachdem die Elternvertreter das ausgesprochen hatten – in Betrieb (also 2003) genommen.

Als die Gebrüder-Grimm-Schule endlich fertig war, waren alle Beteiligten stolz auf ein neues modernes Schulgebäude, in dem nun auch pädagogisch moderner Unterricht stattfinden konnte. Das Elternbegehren war endlich erfüllt worden. Und jetzt, im Jahre 2012 soll nun diese Schule wieder abgeschafft werden und Sie führen Fakten an, welche die Überführung der Gebrüder-Grimm-Schule in die Friedensschule rechtfertigen sollen. Dazu hören wir das Argument: Die Schülerzahlen seien in Zukunft zu gering, Eltern schicken ihren Kinder auf andere Schulen.

Nun, wir wissen, was Eltern sagen, warum sie ihre Kinder nicht zur Gebrüder-Grimm-Schule schicken. Sehr oft heißt es dann: „Wegen der anderen Kinder.“ Wollen wir mal prüfen, ob das wirklich zutrifft. Ich möchte ein paar Fakten nennen, die wir bisher in der Diskussion nicht vernommen haben: Etwa 20% der Schüler an der Gebrüder-Grimm-Schule sind Kinder oder Jugendlich mit dem sogenannten Migrationshintergrund. 31% der Schüler bevorzugen das Fach „Werte und Normen“ statt „Religion“. Der Kommentar eines leitenden Verwaltungsmitarbeiters lautet: „Diese Prozentsätze sind auffallend hoch für Lingen.“

Die Gebrüder-Grimm-Schule muss jedes Kind aus ihrem Einzugsbereich aufnehmen, also auch jedes „problembehaftete“ Kind. Die Gesamtschule ist per Erlass verpflichtet, maximal nur ein Drittel problembehafteter Kinder aufzunehmen. Die Marienschule kennt dagegen eine solche Quote nicht!

Neben den sozial-problematischen Wohngebieten im Einzugsbereich der Gebrüder Grimm-Schule, befinden sich viele Einrichtungen zur Familienhilfe in diesem Bereich. Auch das sagt etwas aus: Die Kinder aus diesem Einzugsbereich gehen überwiegend in die Gebrüder-Grimm-Schule.

Dieser Schule wurden im Vergleich zu den anderen Schulzentren der Stadt die höchsten Sozialarbeiterstunden zugeteilt. Warum? In Protokollen des Rates und seiner Ausschüsse findet man den Satz: „….die Außenseiter an den Grundschulen kommen zur Gebrüder-Grimm-Schule.“ Im Schulausschuss ist aber ebenfalls protokolliert, dass schwierige Kinder, die an anderen Schulen nicht ins Bild passen, zur Gebrüder Grimm-Schule „abgeschoben“ werden.

Herr Reinert – CDU-Mitglied im Kreistag und ehemaliger Schuldirektor – sagte dazu: „Die Gebrüder-Grimm-Schule sei verdammt, für viele die Schule zweiter Wahl zu sein.“ Ebenso sagte er im Schulausschuss der Stadt Lingen im Hinblick auf den Wettbewerb der Schulen im Sekundarbereich in Lingen den bemerkenswerten Satz: „Die Marienschule darf nur 20% bekenntnisfremde Schüler aufnehmen. Dieses mache deutlich, dass durch die Konfession ein entscheidendes Zielmerkmalbenannt werde.“

Herr Reinert sagte aber auch, dass es „… eine Grenze im Niedersächsischen Schulgesetz gebe, denn private Schulen dürften im Gebiet eines öffentlichen Schulträgers nur in dem Maße Schüler aufnehmen, dass das öffentliche Schulangebot nicht gefährdet würde.“

Wie sieht die Situation im Sekundarbereich I aus: Neben der Friedensschule und der Gebrüder-Grimm-Schule ist die Stadt Eigentümerin der Marienschule. Aus Vertragsgründen mit dem Bistum Osnabrück muss sich die Stadt an Sanierungsmaßnahmen der Marienschule beteiligen.

In der Vergangenheit hat sie bei Gesprächen – z. B. mit dem Bistum Osnabrück oder anderen Schulbehörden – den Vorsitzenden des Schulausschusses hinzugezogen. Damals ein CDU-Mitglied. Diese Praxis scheint man jetzt nicht mehr zu üben, denn der Vorsitzende des Schulausschusses unser Kollege Hermann-Otto Wiegmann (SPD-Mitglied), wurde zu keinem der Gespräche hinzugezogen. Das nur als Randbemerkung zum Thema „Gleichbehandlung“.

Wir müssen aber auch über die Leistungen der Gebrüder-Grimm-Schule reden: Zusammen mit der Universität Osnabrück hat sie das „Projekt zur Verbesserung der Unterrichtsqualität“ im Hinblick auf schwierige oder schwache Schüler gestartet. Dazu hat man für das gesamte Emsland eine Modellklasse (Jahrgang 8 und 9) eingerichtet, um zu verhindern, dass ein Teil dieser Schülerinnen und Schüler noch nicht einmal einen Hauptschulabschluss bekommen könnten. Eine bewundernswerte pädagogische Leistung dieser Schule!

Wie sieht nun die Zukunft für die Kinder und für die städtischen Schulen aus? Für das Gebäude der Gebrüder-Grimm-Schule wird die Stadt in den nächsten 63 Jahren pro Jahr etwa 200.000 Euro an Anschreibungen haben. Dieses Geld zahlen wir alle, aber die Kinder werden davon niemals etwas sehen. Eins aber ist sicher: Sie dürfen auch in ihrem späteren Erwerbsleben noch für eine Schule bezahlen, die sie als Kinder nicht mehr besuchen durften.

Was nach dem Zusammenschluss dann die dann groß gewordene Friedensschule anbelangt: Sie wird künftig zum Sammelbecken aller Probleme werden, das kann man – ohne Prophet zu sein – heute schon sagen. Das hat diese Schule ebenfalls nicht verdient.

Die Bedeutung der städtischen Schulzentren als öffentliche Schulen lässt sich nicht in statistischen Schülerzahlen messen. Junge Menschen haben ein Recht, und wir Erwachsene eine Pflicht, diesen jungen Menschen die bestmöglichsten Startchancen für ihr zukünftiges Leben zu geben. Die Gebrüder-Grimm-Schule leistet im Vergleich aller städtischen Schulen einen überdurchschnittlichen pädagogischen und sozialen Beitrag im Sekundarbereich. Ihre Auflösung wird die Statistik bereichern, nicht aber zu einer pädagogischen Aufwertung der Friedensschule führen!

Wieder einmal müssen Kinder und Jugendliche schmerzhaft erfahren: Ihre Stadt Lingen trifft eine Entscheidung aus angeblich unabwendbaren Gründen, nicht aber aus pädagogischen Überlegungen.

Wie einem Protokoll des Schulausschusses zu entnehmen ist, hatte Herr Dr. Büring angeregt und versprochen, in den Grundschulen mehr und deutlicher für die Gebrüder-Grimm-Schule zu werben. Und was ist daraus geworden? Stattdessen will man eine gut ausgestattete und pädagogisch gut funktionierende Schule schließen.

Eine Lösung, die keine Lösung ist, bei der die finanziellen Fakten die Hauptrolle spielen, nicht aber fantasievolle pädagogische Lösungen! Schade, dass in dieser Hinsicht in Lingen eine Chance vertan wird.